Unsere Meinung zur Meistertitel-Debatte

„Kann ich mal den Meister sprechen“ – es vergeht kein Tag bei uns in der Kfz-Werkstatt, an dem wir diesen Satz nicht hören. Ein geplanter Gesetzesentwurf zur Modernisierung der beruflichen Bildung soll den Meistertitel internationalisieren. Von Vergleichbarkeit mit anderen internationalen Abschlüssen und einer Aufwertung der Berufsabschlüsse ist die Rede. Bezeichnungen wie „Bachelor Professionell“ und „Master Professionell“ sollen eingeführt werden. Die Handwerkskammern in Sachsen laufen gegen dieses Vorhaben Sturm.

Die Kammerpräsidenten fordern sogar einen kostenfreien Erwerb des Meistertitels. (weitere Infos)

Im Kfz-Bereich herrscht trotz einer Novelle aus dem Jahr 2004, die den Meisterzwang in vielen Handwerksberufen aufhob, Meisterpflicht. Wir bei der Böge GmbH beschäftigen aktuell drei Meister: Ein Lackierermeister, ein Kfz-Technikermeister und ein Karosseriebaumeister sorgen für den reibungslosen Ablauf in der Kfz-Werkstatt. Unser Kevin Hildebrandt wird der 4. Meister sein, denn er drückt bereits seit Februar die Schulbank, um die intensive Meisterausbildung zu absolvieren. Und die ist nicht billig. In unserem Handwerk kommen schnell 10.000 -13.000 Euro  pro Meistertitel zusammen – Grund genug, weshalb viele junge Menschen vor der Qualifikation zurückschrecken. Dank Förderprogrammen und Zuschüssen können diese Kosten dann auf knapp 1/3 gesenkt werden.

Unsere Position zur Meisterdebatte:

Qualität im Handwerk äußert sich ganz klar über den Meistertitel. Er ist ein Sinnbild von Wertarbeit, Handwerkskunst, tiefer Tradition und Beständigkeit. Was der Dr. in der Medizin ist, ist der Meistertitel im Handwerk. Natürlich sollten wir über den Tellerrand hinausschauen und auch den ausländischen Bildungsmarkt bei solch gravierenden Gesetzesentscheidungen im Blick haben – aber mal ehrlich: es wird wohl kein Kunde bei uns ins Büro hereinspaziert kommen und nach dem „Master Professionell“ verlangen – außer am 1. April vielleicht.

Vielmehr können diese internationalen Bezeichnungen als Zusatz formuliert werden – eine ersetzende Funktion wäre unserer Meinung nach Fatal für die Außenwirkung der vielen exzellenten Handwerksbetriebe – nicht nur im Kfz-Bereich. (Statement der Handwerkskammer Leipzig dazu)